Newsletter Podcast PART 1

02.07.2021, Laubegg Zürich

Interview mit Luca

02.07.2021, Laubegg Zürich

Ja hallo Luca! 

Hallo! Freut mich!

Freut mich auch! Also, Luca, erzähl mal, wie fühlst du dich, wenn du nach einem Tag bei wertfrei nach Hause gehst?

Zufrieden und ausgeglichen.

Zufrieden und ausgeglichen, das klingt schön. Daraus entnehme ich, dass dir die Tätigkeit also Spass macht, ist das so?

Es macht mir nicht nur Spass, sondern ich bin gerne dort und fühle mich wohl bei dem, was ich mache. Denn meine Leistung wird wertgeschätzt und ich kann sein, wie ich bin.

In was für Projekte warst oder bist du involviert?

Da ich seit Januar 2020 dabei bin, war ich bei vielen Projekten dabei. In der alten Location konnte ich mich in vielen handwerklichen Projekten austoben und jetzt eher an Prozess- und Strukturierungsmassnahmen für den internen Aufbau mitwirken. Des Weiteren schätzte ich immer unsere Philosophischen Gesprächsrunden und die kulturellen Aktivitäten, die wertfrei angeboten hat. Bevor ich meinen Unfall hatte und meinen Rücken brach, hatte ich auch immer gerne in sportlichen Angeboten teilgenommen. Durch meinen beruflichen Hintergrund im Projektmanagement habe ich in diversen Fachbereichen ein breites Wissen, deshalb habe ich eine eigene Excel Schulung angeboten, um mein Wissen zu teilen und habe darüber hinaus auch beim Planen und Umsetzen von Ideen und Projekten geholfen.

Wow, sehr umfangreich. Du konntest also sowohl deine Vorkenntnisse einbringen wie auch neue Erfahrungen machen und auch einfach als Teilnehmer von Angeboten profitieren. Würdest du sagen, das ist ein grosser Unterschied verglichen mit anderen Massnahmen?

Ich war bisher noch in keiner anderen Interventionsmassnahme, jedoch habe ich von anderen Teilnehmenden erfahren, wie das teilweise für sie war und weiss, dass so etwas für mich als starker ADHS-ler mit Erschöpfungsdepression überhaupt nicht funktioniert hätte. Monotone und niederschwellige Arbeit hätte mich frustriert und mir jegliche Motivation genommen. Hingegen bei wertfrei ist es so, dass jemand, der neu hinzugekommen ist, erst einmal ankommen durfte und sein durfte. Dann wurde seine persönliche Situation angeschaut; wer ist dieser Mensch, was sind seine persönlichen Werte, wo liegen seine Hürden, etc. Und er oder sie konnte am Anfang auch einfach mal kommen und nichts machen, sich einfach mal wohl fühlen. Ein grosser Unterschied ist wahrscheinlich, dass bei wertfrei auch auf die Persönlichkeitsentwicklung und den emotionalen Wert des Einzelnen eingegangen wird. Und erst, wenn jemand vom persönlichen und psychischen Zustand her merklich stabiler war, wurde weitergearbeitet. Denn wenn jemand eine psychische Erkrankung hat, kann man ihn oder sie noch so zu Leistung forcieren wollen, es würde nicht lange dauern, bis es die Person wieder einholt. Deshalb ist es wichtig, dass man unter Berücksichtigung des Wohlbefindens die Arbeitsleistung individuell steigert. So habe ich es erlebt und durch das konnte ich viel Vertrauen fassen. Der Punkt ist, wir sind Menschen, wir haben Gefühle, wir haben Emotionen. Und wenn mal etwas nicht in Ordnung ist, sollte es den Platz und den Rahmen auch dafür geben, damit man sich ihn nehmen kann, und zwar genau so wie man ist. Dies ist wertfrei für mich. Durch das ist eine Gemeinschaft entstanden, in der Toleranz und Akzeptanz wirklich gelebt wird und man gemeinsam etwas erschaffen kann, wo der Faktor Mensch nicht zu kurz kommt.

Das finde ich sehr schön beschrieben. Danke. Du hast dich also auch schon mal anders gefühlt bei der Arbeit? Was würde es denn für dich bedeuten, wenn es wertfrei nicht mehr gäbe?

Es wäre sehr schade. Ich habe hier einen Ort gefunden, wo ich nicht nur arbeiten kann, sondern mich auch wohl fühle. Und ich habe das Gefühl, wenn man nicht «muss», sondern «darf», dann kann ein Mensch viel mehr leisten und das tut gut. Ich bin sehr dankbar, dass es wertfrei gibt und teil davon sein kann.

Wir sind es auch, danke dir viel mal, Luca, für deine Offenheit und dein Sein.

Interview mit D.

08.07.2021, Laubegg Zürich

Bei mir zu Gast ist heute D., ciao!

Danke, ich fühle mich sehr geehrt heute da zu sein und an diesem Projekt teilzunehmen.

Erzähle mir doch davon: Wenn man von wertfrei spricht, kann man sich ein Bild davon machen. Doch sieht es in jedem Kopf wieder ein bisschen anders aus. Was ist wertfrei für dich?

Definitiv. Für jeden Teilnehmer bedeutet wertfrei etwas anderes und jeder hat seine eigene Ansichtsweise. Eben das genau macht wertfrei für mich aus, dass man mit allen Menschen, mit unterschiedlichen Ansichten und Bezügen, eine Einigkeit findet kann. Sich trotzdem äussern kann und angehört ist.

Das heisst, du hast bei wertfrei positive Erfahrungen bezüglich Gruppenarbeit gemacht?

Definitiv ja! Vor allem zu Beginn, als ich noch vermehrt präsent war, habe ich an verschiedenen Gruppenarbeiten teilgenommen, wo jeder auch seine eigene Richtung eingeben konnte. Mit früheren Teilnehmern habe ich z.B. ein Marketingprojekt bearbeitet, bei welchem es darum ging, einen Prototypen für die Bekleidungsbranche zu realisieren, bei dem Kunden mittels einer Box virtuell neue Produkte «anziehen» konnten.

Hätte ich die erste Frage anders geleitet und nur gefragt: «D., was bedeutet wertfrei für dich?», wie hättest du geantwortet?

Für mich persönlich ist wertfrei ein Ort, eine Ortschaft, eine Gemeinsamkeit. Man kann seiner Kreativität freien lauf lassen, und es bedeutet Teamwork! Das alles ist für mich wertfrei.

Schön dass du diese Gemeinschaft so schön hervorhebst, denn genau diese macht wertfrei für uns auch aus. Inwiefern denkst du, hat wertfrei dich auch in deiner Entwicklung bestärkt? Oder, wie konntest du dich in deiner Zeit bei wertfrei persönlich entwickeln?

Als erstes muss man offen für Veränderung sein und das Ganze auf sich zukommen lassen. Ich konnte es annehmen und so meine persönlichen Ziele, auch parallel zu wertfrei, verfolgen.

Also würdest du auch sagen, wertfrei konnte dich auch als solches in deiner Entwicklung unterstützen und bestärken?

Natürlich, natürlich!

Wie würdest du das beschreiben? Gibt es Dinge, die du z.B. in Bezug auf dich, die Arbeitswelt, dein Privatleben, anders betrachtest? Konntest du neue Kompetenzen erlernen?

Ich sehe es so: man bleibt der gleiche Mensch, man kommt nicht zu wertfrei und ist nach z.B. sechs Monaten ein anderer Mensch. Ich kam hierher, als mir in gewissen Punkten Perspektive fehlte und konnte mich in meinen Stärken so weit verbessern, dass ich nun meine Ziele auf Bereiche lenken kann, die mich auch wirklich interessieren. Ich habe vieles ausprobiert, Praktika in verschiedenen Bereichen gemacht, bis ich herausgefunden habe, wo mein Interesse wirklich liegt. So bin ich dank wertfrei auf den sozialen Bereich gestossen. Dazu war wertfrei das Hauptinstrument für mich, in dieser Richtungsfindung. Diese konnte ich durch wertfrei finden und auch akzeptieren. Nun habe ich eine Lehrstelle in einer Schule für Kinder mit Merhfachbehinderung. Ich bin dank wertfrei hier und sehr glücklich darüber.

Gratuliere! Mega cool!

Danke.

Das heisst du bist also noch dieselbe Person, aber es hat dir gut getan hier?

Genau, ja.

Hast du vorhin anderes gemacht? Was denn?

Ich war Hauswart in einem Heim. Dort konnte ich verschiedene Berufe auswählen. Koch, Recyclist, Schreiner, Metallbau, wirklich viele Tätigkeiten. Ich habe mich letztendlich jedoch für Hauswart entschieden, weil ich dadurch auf dem Areal frei meiner Arbeit nachgehen konnte und war nicht auf Arbeitsplatz limitiert. Ich habe ausserdem ein Praktikum als Karosseriespengler begonnen. Auch in handwerklicher Richtung habe ich also Erfahrung. Ist auch interessant, ich mochte die Arbeit. Es war aber nicht wirklich meine Wahl.

Was bedeutete der Begriff, oder der Gedanke, Arbeit für dich? Bevor du mit deiner wertfrei Reise begonnen hast. Und jetzt?

Bevor war es Struktur. Aufstehen, arbeiten, machen, abends zuhause. Heute ist es, wie kann ich es sagen, Teil von meinem Tag. Nicht nur eine Struktur und  etwas, was ich muss, sondern auch was ich will. Es fühlt sich anders an. An dem Punkt, an dem ich jetzt stehe, kann ich mir selbst Energie geben indem ich denke, dass ich an der Schule gebraucht werde. Auch wenn ich morgens vielleicht mal auf dem falschen Bein aufstehe und denke: «Heute würde ich lieber nicht arbeiten oder würde doch lieber etwas länger schlafen», kann ich mich dazu motivieren aufzustehen weil ich weiss, die Kinder brauchen mich.

Mega schön. Danke dir vielmals für deine Zeit und dein Feedback!

Danke dir.