Ein kurzes Vorwort

Vor meiner ersten Mindsight Präsentation für wertfrei habe ich meinen Partner gefragt «Was ist deiner Meinung nach das wichtigste, dass ich in dieser ersten Kursstunde rüberbringen sollte..?» Er und ich sind uns in vielem ähnlich (wir sind gerne unterwegs) und dann wieder sehr unterschiedlich (ich mit dem Flugzeug und er mit dem Canoe) so dass, wenn ich seine Sicht mit meiner Sicht kombiniere, ich das Gefühl habe, dass wir alle möglichen Ideen, Reaktionen und Katastrophen …abgedeckt haben…

Seine Antwort war: «Wenn sich zwei Menschen treffen, sollte man einander ohne Vorurteile, auch ohne Erwartungen begegnen. Man sollte von 0 anfangen und einander so kennenlernen».

Hier trifft Mindsight auf wertfrei, wertfrei auf dich, und du als Leser auf mich als diejenige, die schreibt.

Diese neutrale Sicht, welche uns erlaubt, alles so zu sehen, wie es ist, nicht von Ängsten, Unsicherheiten und langjährigen Mustern verzerrt, sollte das Ziel meines Mindsightbeitrags sein.

Bevor es jedoch in die Tiefe geht, würde ich in diesem ersten Beitrag gerne erklären, was Mindsight ist, und wie alles begann.

 

Mindsight – der Blick auf die Psyche

 

Dieses englische Wort «Mindsight» wurde in den 80er Jahren von Daniel J. Siegel, Psychiatrieprofessor an der UCLA erfunden.  Es beschreibt einen Prozess, in dem wir die Fähigkeit erlangen, unsere Psyche zu sehen, und sie in Richtung Gesundheit zu formen.

Hier beginnt aber bereits die Verwirrung. Als ich Mindsight vor einigen Jahren in englischer Sprache gelesen habe, war ich mir der Bedeutung dieses Begriffes «Mind» nicht wirklich bewusst. Erst als ich in Form eines Workshops bei wertfrei das Wort genauer, und vor allem auf Deutsch, erklären wollte, wurde mir klar, was dieses Wort alles beinhaltet. Das Wort «Mind» habe ich als «Psyche» übersetzt, und mir dabei gar nicht viel gedacht. Wenn ich jedoch nachschaue, woher das Wort «Psyche» kommt, dann finde ich es im griechischen wieder, wo die psȳchḗ soviel bedeutete wie Seele, Geist, Lebenskraft.

Wenn es uns «psychisch» nicht gut geht, was bedeutet das? Wenn wir das Wort Psyche im Alltag benutzen, meinen wir dann «unsere Seele»? Oder meinen wir vielmehr «unser Gehirn»? Wenn wir «psychisch krank» sind, stimmt dann was nicht «in unserem Kopf»? Welche Zusammenhänge gibt es zur körperlichen Gesundheit? Was bedeutet psychisch und physisch? Was meinen wir mit diesen Wörtern, wenn wir sie im täglichen Gespräch benutzen, und welcher tiefere Sinn geht dabei verloren? Was steckt alles hinter dem Wort Psyche?

Dr. Siegel wollte ebenfalls die «Psyche» definieren. Gleich wie in anderen Berufen, wollte er sagen können, womit er sich in seinem Beruf genau befasst. Was ist die Psyche? Wie funktioniert sie und wie kann er sich Doktor der Psychologie nennen, wenn er nicht weiss, was die Psyche ist? Auf Fragen hin bekam er viele Beschreibungen, jedoch keine Definition.

Dr. Siegel beschliesst in den 90er Jahren eine Gruppe mit 40 Wissenschaftler aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen zu gründen. In einem Zeitrahmen von 4 Jahren sollte in dieser Gruppe der Zusammenhang zwischen Psyche und Gehirn diskutiert werden. Dieses interdisziplinäre Feld, welches unter anderem aus Mathematikern, Anthropologen, Sprachwissenschaftlern, Biologen, Physiker und Psychologen besteht, nennt sich später Interpersonelle Neurobiologie. Gemeinsam versuchten sie Erkenntnisse der menschlichen Erfahrung aus verschiedenen Perspektiven zu bestimmen.

Heute wissen wir, dass die Psyche, für welche Dr. Siegel, zur Vereinfachung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Disziplinen, selbst eine Definition gefunden hat, massgeblich an unserem allgemeinen Wohlbefinden beteiligt ist.

Hier findet nun auch eine Verschiebung der Sicht auf ein paar «andere» wissenschaftliche Erkenntnisse statt. Wir hören von neuen Medikamenten, von ganz verrückten Apparaturen und von neuen medizinischen Eingriffen….

Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden können wir zu einem grossen Teil aber selbst bestimmen. Wir sind alle so verschieden, haben ganz verschiedenes erlebt, haben auf ein Ereignis ganz unterschiedliche Gefühle, und wenn wir dann noch die Epigenetik in Betracht ziehen, dann würde ich behaupten, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes durch Raum und Zeit einfach nur einzigartig.

Die Sicht auf uns selbst, auf unsere «Psyche», erlaubt uns einen allumfassenden Blick über unser System, einen Einblick in das Wunder Mensch. Hier ist es jedoch nicht zu Ende, denn gerade diese Sicht erlaubt es uns, alles um uns herum besser zu erkennen. Unsere Beziehungen, unsere Verantwortung gegenüber der Natur, unseren Platz in der Gesellschaft. Wer und wie wir sein möchten liegt dann nur noch bei uns selbst…