wertfrei Reisen – Teilnehmende erzählen

wertfrei Reisen – Teilnehmende erzählen

Newsletter Podcast PART 1

02.07.2021, Laubegg Zürich

Interview mit Luca

02.07.2021, Laubegg Zürich

Ja hallo Luca! 

Hallo! Freut mich!

Freut mich auch! Also, Luca, erzähl mal, wie fühlst du dich, wenn du nach einem Tag bei wertfrei nach Hause gehst?

Zufrieden und ausgeglichen.

Zufrieden und ausgeglichen, das klingt schön. Daraus entnehme ich, dass dir die Tätigkeit also Spass macht, ist das so?

Es macht mir nicht nur Spass, sondern ich bin gerne dort und fühle mich wohl bei dem, was ich mache. Denn meine Leistung wird wertgeschätzt und ich kann sein, wie ich bin.

In was für Projekte warst oder bist du involviert?

Da ich seit Januar 2020 dabei bin, war ich bei vielen Projekten dabei. In der alten Location konnte ich mich in vielen handwerklichen Projekten austoben und jetzt eher an Prozess- und Strukturierungsmassnahmen für den internen Aufbau mitwirken. Des Weiteren schätzte ich immer unsere Philosophischen Gesprächsrunden und die kulturellen Aktivitäten, die wertfrei angeboten hat. Bevor ich meinen Unfall hatte und meinen Rücken brach, hatte ich auch immer gerne in sportlichen Angeboten teilgenommen. Durch meinen beruflichen Hintergrund im Projektmanagement habe ich in diversen Fachbereichen ein breites Wissen, deshalb habe ich eine eigene Excel Schulung angeboten, um mein Wissen zu teilen und habe darüber hinaus auch beim Planen und Umsetzen von Ideen und Projekten geholfen.

Wow, sehr umfangreich. Du konntest also sowohl deine Vorkenntnisse einbringen wie auch neue Erfahrungen machen und auch einfach als Teilnehmer von Angeboten profitieren. Würdest du sagen, das ist ein grosser Unterschied verglichen mit anderen Massnahmen?

Ich war bisher noch in keiner anderen Interventionsmassnahme, jedoch habe ich von anderen Teilnehmenden erfahren, wie das teilweise für sie war und weiss, dass so etwas für mich als starker ADHS-ler mit Erschöpfungsdepression überhaupt nicht funktioniert hätte. Monotone und niederschwellige Arbeit hätte mich frustriert und mir jegliche Motivation genommen. Hingegen bei wertfrei ist es so, dass jemand, der neu hinzugekommen ist, erst einmal ankommen durfte und sein durfte. Dann wurde seine persönliche Situation angeschaut; wer ist dieser Mensch, was sind seine persönlichen Werte, wo liegen seine Hürden, etc. Und er oder sie konnte am Anfang auch einfach mal kommen und nichts machen, sich einfach mal wohl fühlen. Ein grosser Unterschied ist wahrscheinlich, dass bei wertfrei auch auf die Persönlichkeitsentwicklung und den emotionalen Wert des Einzelnen eingegangen wird. Und erst, wenn jemand vom persönlichen und psychischen Zustand her merklich stabiler war, wurde weitergearbeitet. Denn wenn jemand eine psychische Erkrankung hat, kann man ihn oder sie noch so zu Leistung forcieren wollen, es würde nicht lange dauern, bis es die Person wieder einholt. Deshalb ist es wichtig, dass man unter Berücksichtigung des Wohlbefindens die Arbeitsleistung individuell steigert. So habe ich es erlebt und durch das konnte ich viel Vertrauen fassen. Der Punkt ist, wir sind Menschen, wir haben Gefühle, wir haben Emotionen. Und wenn mal etwas nicht in Ordnung ist, sollte es den Platz und den Rahmen auch dafür geben, damit man sich ihn nehmen kann, und zwar genau so wie man ist. Dies ist wertfrei für mich. Durch das ist eine Gemeinschaft entstanden, in der Toleranz und Akzeptanz wirklich gelebt wird und man gemeinsam etwas erschaffen kann, wo der Faktor Mensch nicht zu kurz kommt.

Das finde ich sehr schön beschrieben. Danke. Du hast dich also auch schon mal anders gefühlt bei der Arbeit? Was würde es denn für dich bedeuten, wenn es wertfrei nicht mehr gäbe?

Es wäre sehr schade. Ich habe hier einen Ort gefunden, wo ich nicht nur arbeiten kann, sondern mich auch wohl fühle. Und ich habe das Gefühl, wenn man nicht «muss», sondern «darf», dann kann ein Mensch viel mehr leisten und das tut gut. Ich bin sehr dankbar, dass es wertfrei gibt und teil davon sein kann.

Wir sind es auch, danke dir viel mal, Luca, für deine Offenheit und dein Sein.

Interview mit D.

08.07.2021, Laubegg Zürich

Bei mir zu Gast ist heute D., ciao!

Danke, ich fühle mich sehr geehrt heute da zu sein und an diesem Projekt teilzunehmen.

Erzähle mir doch davon: Wenn man von wertfrei spricht, kann man sich ein Bild davon machen. Doch sieht es in jedem Kopf wieder ein bisschen anders aus. Was ist wertfrei für dich?

Definitiv. Für jeden Teilnehmer bedeutet wertfrei etwas anderes und jeder hat seine eigene Ansichtsweise. Eben das genau macht wertfrei für mich aus, dass man mit allen Menschen, mit unterschiedlichen Ansichten und Bezügen, eine Einigkeit findet kann. Sich trotzdem äussern kann und angehört ist.

Das heisst, du hast bei wertfrei positive Erfahrungen bezüglich Gruppenarbeit gemacht?

Definitiv ja! Vor allem zu Beginn, als ich noch vermehrt präsent war, habe ich an verschiedenen Gruppenarbeiten teilgenommen, wo jeder auch seine eigene Richtung eingeben konnte. Mit früheren Teilnehmern habe ich z.B. ein Marketingprojekt bearbeitet, bei welchem es darum ging, einen Prototypen für die Bekleidungsbranche zu realisieren, bei dem Kunden mittels einer Box virtuell neue Produkte «anziehen» konnten.

Hätte ich die erste Frage anders geleitet und nur gefragt: «D., was bedeutet wertfrei für dich?», wie hättest du geantwortet?

Für mich persönlich ist wertfrei ein Ort, eine Ortschaft, eine Gemeinsamkeit. Man kann seiner Kreativität freien lauf lassen, und es bedeutet Teamwork! Das alles ist für mich wertfrei.

Schön dass du diese Gemeinschaft so schön hervorhebst, denn genau diese macht wertfrei für uns auch aus. Inwiefern denkst du, hat wertfrei dich auch in deiner Entwicklung bestärkt? Oder, wie konntest du dich in deiner Zeit bei wertfrei persönlich entwickeln?

Als erstes muss man offen für Veränderung sein und das Ganze auf sich zukommen lassen. Ich konnte es annehmen und so meine persönlichen Ziele, auch parallel zu wertfrei, verfolgen.

Also würdest du auch sagen, wertfrei konnte dich auch als solches in deiner Entwicklung unterstützen und bestärken?

Natürlich, natürlich!

Wie würdest du das beschreiben? Gibt es Dinge, die du z.B. in Bezug auf dich, die Arbeitswelt, dein Privatleben, anders betrachtest? Konntest du neue Kompetenzen erlernen?

Ich sehe es so: man bleibt der gleiche Mensch, man kommt nicht zu wertfrei und ist nach z.B. sechs Monaten ein anderer Mensch. Ich kam hierher, als mir in gewissen Punkten Perspektive fehlte und konnte mich in meinen Stärken so weit verbessern, dass ich nun meine Ziele auf Bereiche lenken kann, die mich auch wirklich interessieren. Ich habe vieles ausprobiert, Praktika in verschiedenen Bereichen gemacht, bis ich herausgefunden habe, wo mein Interesse wirklich liegt. So bin ich dank wertfrei auf den sozialen Bereich gestossen. Dazu war wertfrei das Hauptinstrument für mich, in dieser Richtungsfindung. Diese konnte ich durch wertfrei finden und auch akzeptieren. Nun habe ich eine Lehrstelle in einer Schule für Kinder mit Merhfachbehinderung. Ich bin dank wertfrei hier und sehr glücklich darüber.

Gratuliere! Mega cool!

Danke.

Das heisst du bist also noch dieselbe Person, aber es hat dir gut getan hier?

Genau, ja.

Hast du vorhin anderes gemacht? Was denn?

Ich war Hauswart in einem Heim. Dort konnte ich verschiedene Berufe auswählen. Koch, Recyclist, Schreiner, Metallbau, wirklich viele Tätigkeiten. Ich habe mich letztendlich jedoch für Hauswart entschieden, weil ich dadurch auf dem Areal frei meiner Arbeit nachgehen konnte und war nicht auf Arbeitsplatz limitiert. Ich habe ausserdem ein Praktikum als Karosseriespengler begonnen. Auch in handwerklicher Richtung habe ich also Erfahrung. Ist auch interessant, ich mochte die Arbeit. Es war aber nicht wirklich meine Wahl.

Was bedeutete der Begriff, oder der Gedanke, Arbeit für dich? Bevor du mit deiner wertfrei Reise begonnen hast. Und jetzt?

Bevor war es Struktur. Aufstehen, arbeiten, machen, abends zuhause. Heute ist es, wie kann ich es sagen, Teil von meinem Tag. Nicht nur eine Struktur und  etwas, was ich muss, sondern auch was ich will. Es fühlt sich anders an. An dem Punkt, an dem ich jetzt stehe, kann ich mir selbst Energie geben indem ich denke, dass ich an der Schule gebraucht werde. Auch wenn ich morgens vielleicht mal auf dem falschen Bein aufstehe und denke: «Heute würde ich lieber nicht arbeiten oder würde doch lieber etwas länger schlafen», kann ich mich dazu motivieren aufzustehen weil ich weiss, die Kinder brauchen mich.

Mega schön. Danke dir vielmals für deine Zeit und dein Feedback!

Danke dir. 

Martina erzählt…

Martina erzählt…

Transkript: 

Der grösste Bedarf an Innovation sah ich bei der Integration der Jugendlichen. Menschen, die bereits schon viele Hindernisse in ihrem Leben bewältigen mussten und Stärke zeigen in dem sie noch nicht zerbrochen sind, sondern weiterkämpfen. Nur bleibt es leider ein Kampf wenn wir kein passendes und unterstützendes Helfernetz aufbauen. 

Im Pilot Projekt ging es darum herauszufinden, ob eine sinnhafte Tätigkeit nach Kompetenzen und Interessen zu höheren Integrationschancen führten. Ob zum Beispiel Start-ups im sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereich sich für Trainings Arbeitsplätze für Menschen mit gesundheitlichen leiden eignen.  Wir konnten unterschiedliche Praktika erfolgreich abschliessen und danken den Partnern vielmals fürs Vertrauen.  Nebst den Praktika und Arbeitsversuchen haben wir eine eigene Massnahme bzw. einen Leitfaden kreiert.  

Die wertfrei Reise die durch zusammen Arbeit von Coaches und Teilnehmenden der IV Stelle Zürich erarbeite wurde. Unteranderem konnten wir dadurch bspw.: die Familien begleitete Wohnform, Projektarbeit, Gruppen- und Einzelcoachings, Peer-Arbeit und noch vieles weiteres testen. Wir haben nichts ausgelassen und das verdanken wir diesem so diversen und vielseitigen Team.  Eine Gemeinschaft, die sich trägt und innerhalb von zwei Jahren unglaubliches erschaffen hat. Dies ist aus meiner Sicht der ausschlaggebende Punkt wenn es darum geht, Menschen zu intrigieren. Der Mensch wünscht sich nämlich gesehen und verstanden zu werden, und wertfrei möchte genau dies bieten. 

Was sind die nächsten Schritte? Die Evolution des zweiten Pilot Projekts ist im vollen Gange wir freuen uns von den vielen Erkenntnissen zu erzählen. Wir fokussieren uns auf die Jugendlichen und ihr Helfernetz und möchten die Frühinvention und Prävention stärken. Oftmals sind Wartezeiten die schlimmsten Zeiten, da die Tagesstruktur sowie die Gemeinschaft fehlen.  Der sozialen Isolation wollen wir durch Frühinterventionsmassnahmen entgegenwirken. Im Hauptsitz in Zürich sowie in der CasAmici in Fislisbach möchten wir diese Ideen umsetzten. Durch unser Angebot für Jugendliche, also mit einer zeitnahen Standortbestimmung, Beratung, Begleitung und Vernetzung möchten wir voranschreiten.  

Weltspieltag mit wertfrei

Weltspieltag mit wertfrei

Ich sehe was, was du nicht siehst uuuuund das ist gelb…

«Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

Friedrich Schiller

Liebe kleinen und grossen ErdenbürgerInnen

 

Wie ihr hoffentlich schon alle wisst, ist am Freitag der 28.05.2021 WELTSPIELTAG und wir von wertfrei widmen dem Thema Spielen die eine ganze Woche.

Der Weltspieltag ist ein Aktionstag, an dem wir unseren Raum spielend (wieder) erobern und entdecken. Erwachsene und Kinder werden aufgefordert in spielerischer Form ihre Umgebung im Freien zu erkunden. Über verschiedene Aktivitäten können wir unsere/n innere/n Spieler*in aktivieren, inspirieren und anregen – agieren ohne Zweck, aber nicht ohne Sinn. Hintergrund dieses Tages ist das Recht auf Spiel und das Verständnis des Menschen als spielendes Wesen.

Dieses Jahr steht der Weltspieltag unter dem Motto:

Lasst uns (was) bewegen!

Damit ihr euch auch darauf eingrooven könnt gibt es heute ein paar Hintergrundfacts zur Geschichte des Spieltages und dem Spielen als Kinderrecht.

Der Weltspieltag wurde 1999 als „World Play Day“ in Tokio gegründet und 2000 von der UNO als jährlich wiederkehrender Aktionstag auf den 28. Mai festgelegt. Mittlerweile wird der Weltspieltag von der UNESCO unterstützt und in vielen Ländern weltweit finden jährlich landesweite Veranstaltungen statt. So auch in der Schweiz.

 

Am Weltspieltag soll in erster Linie der Spass am Spielen, auch für Erwachsene, gefördert werden. Daneben soll aber auch auf die grosse Bedeutung und Wichtigkeit von Spielen allgemein hingewiesen und dafür sensibilisiert werden, dass Spielen ein Kinderrecht ist.

Was? Spielen ist ein Kinderrecht? Ja, genau!

Im Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention ist festgehalten: «Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemässe aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.» Spielen ist u.a. als Kinderrecht anerkannt, weil es ein wesentlicher Bestandteil der körperlichen, sozialen, kognitiven, emotionalen und spirituellen Entwicklung ist.

Leider ist es aber nach wie vor für viele Kinder weltweit nicht möglich ihr Recht auf Spiel und Freizeit verwirklichen zu können. Kinder die in Gebieten leben, die von Krieg, humanitären oder Natur-Katastrophen betroffenen sind, Kinder die in Armut oder Institutionen aufwachsen, Kinder indigener Völker und ethnischer Minderheiten und allgemein Mädchen sind besonders daran gehindert sich altersgemässen Aktivitäten und Spass zu widmen. Aber auch in der Schweiz gibt es Kinder, die ihr im Artkiel 31 festgehaltenes Recht nur bedingt wahrnehmen können.

Denn nebst den oben genannten Kindern, haben vor allem Flüchtlingskinder während und nach der Flucht, sowie Kinder die mit einer Beeinträchtigung leben, ein grösseres Risiko sich nicht entsprechend ihren Bedürfnissen entfalten und einbringen zu können. Der Schweiz wird diesbezüglich sogar vom UN- Kinderrechtsausschuss (2015) empfohlen, «die spezifischen Bedürfnisse von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen in allen Kantonen aufzugreifen und insbesondere sicherzustellen, dass diese Kinder in sämtlichen Bereichen des sozialen Lebens vollständig integriert werden, einschliesslich Freizeit-und kulturelle Aktivitäten. Des Weiteren empfiehlt der Ausschuss dem Vertragsstaat, der Inklusionspädagogik, welche auf die Bedürfnisse  dieser Kinder ausgerichtet ist, höhere Priorität beizumessen als behindertenspezifischen Förderschulen und Betreuungseinrichtungen.»

 

Wie ihr seht, gibt es auch in der Schweiz, einem der reichsten Länder der Welt, nach wie vor einiges zu tun, betreffend der Umsetzung der Kinderrechte.

 

Ein kleiner Beitrag dazu möchten wir vom Verein wertfrei leisten. Bei allem was wir tun setzen wir den Menschen ins Zentrum. Und zwar genauso so wie er ist. Wir setzen auf Inklusion und Beteiligung aller, genau nach den Fähigkeiten und Möglichkeiten die jede*r einzelne mitbringt. Ob dies in unseren Projekten für die «grossen Kinder» ist oder eben am Spieltag für Gross und Klein, jede*r ist willkommen!

Mindsight – Ein Blick auf die Psyche

Mindsight – Ein Blick auf die Psyche

Ein kurzes Vorwort

Vor meiner ersten Mindsight Präsentation für wertfrei habe ich meinen Partner gefragt «Was ist deiner Meinung nach das wichtigste, dass ich in dieser ersten Kursstunde rüberbringen sollte..?» Er und ich sind uns in vielem ähnlich (wir sind gerne unterwegs) und dann wieder sehr unterschiedlich (ich mit dem Flugzeug und er mit dem Canoe) so dass, wenn ich seine Sicht mit meiner Sicht kombiniere, ich das Gefühl habe, dass wir alle möglichen Ideen, Reaktionen und Katastrophen …abgedeckt haben…

Seine Antwort war: «Wenn sich zwei Menschen treffen, sollte man einander ohne Vorurteile, auch ohne Erwartungen begegnen. Man sollte von 0 anfangen und einander so kennenlernen».

Hier trifft Mindsight auf wertfrei, wertfrei auf dich, und du als Leser auf mich als diejenige, die schreibt.

Diese neutrale Sicht, welche uns erlaubt, alles so zu sehen, wie es ist, nicht von Ängsten, Unsicherheiten und langjährigen Mustern verzerrt, sollte das Ziel meines Mindsightbeitrags sein.

Bevor es jedoch in die Tiefe geht, würde ich in diesem ersten Beitrag gerne erklären, was Mindsight ist, und wie alles begann.

 

Mindsight – der Blick auf die Psyche

 

Dieses englische Wort «Mindsight» wurde in den 80er Jahren von Daniel J. Siegel, Psychiatrieprofessor an der UCLA erfunden.  Es beschreibt einen Prozess, in dem wir die Fähigkeit erlangen, unsere Psyche zu sehen, und sie in Richtung Gesundheit zu formen.

Hier beginnt aber bereits die Verwirrung. Als ich Mindsight vor einigen Jahren in englischer Sprache gelesen habe, war ich mir der Bedeutung dieses Begriffes «Mind» nicht wirklich bewusst. Erst als ich in Form eines Workshops bei wertfrei das Wort genauer, und vor allem auf Deutsch, erklären wollte, wurde mir klar, was dieses Wort alles beinhaltet. Das Wort «Mind» habe ich als «Psyche» übersetzt, und mir dabei gar nicht viel gedacht. Wenn ich jedoch nachschaue, woher das Wort «Psyche» kommt, dann finde ich es im griechischen wieder, wo die psȳchḗ soviel bedeutete wie Seele, Geist, Lebenskraft.

Wenn es uns «psychisch» nicht gut geht, was bedeutet das? Wenn wir das Wort Psyche im Alltag benutzen, meinen wir dann «unsere Seele»? Oder meinen wir vielmehr «unser Gehirn»? Wenn wir «psychisch krank» sind, stimmt dann was nicht «in unserem Kopf»? Welche Zusammenhänge gibt es zur körperlichen Gesundheit? Was bedeutet psychisch und physisch? Was meinen wir mit diesen Wörtern, wenn wir sie im täglichen Gespräch benutzen, und welcher tiefere Sinn geht dabei verloren? Was steckt alles hinter dem Wort Psyche?

Dr. Siegel wollte ebenfalls die «Psyche» definieren. Gleich wie in anderen Berufen, wollte er sagen können, womit er sich in seinem Beruf genau befasst. Was ist die Psyche? Wie funktioniert sie und wie kann er sich Doktor der Psychologie nennen, wenn er nicht weiss, was die Psyche ist? Auf Fragen hin bekam er viele Beschreibungen, jedoch keine Definition.

Dr. Siegel beschliesst in den 90er Jahren eine Gruppe mit 40 Wissenschaftler aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen zu gründen. In einem Zeitrahmen von 4 Jahren sollte in dieser Gruppe der Zusammenhang zwischen Psyche und Gehirn diskutiert werden. Dieses interdisziplinäre Feld, welches unter anderem aus Mathematikern, Anthropologen, Sprachwissenschaftlern, Biologen, Physiker und Psychologen besteht, nennt sich später Interpersonelle Neurobiologie. Gemeinsam versuchten sie Erkenntnisse der menschlichen Erfahrung aus verschiedenen Perspektiven zu bestimmen.

Heute wissen wir, dass die Psyche, für welche Dr. Siegel, zur Vereinfachung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Disziplinen, selbst eine Definition gefunden hat, massgeblich an unserem allgemeinen Wohlbefinden beteiligt ist.

Hier findet nun auch eine Verschiebung der Sicht auf ein paar «andere» wissenschaftliche Erkenntnisse statt. Wir hören von neuen Medikamenten, von ganz verrückten Apparaturen und von neuen medizinischen Eingriffen….

Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden können wir zu einem grossen Teil aber selbst bestimmen. Wir sind alle so verschieden, haben ganz verschiedenes erlebt, haben auf ein Ereignis ganz unterschiedliche Gefühle, und wenn wir dann noch die Epigenetik in Betracht ziehen, dann würde ich behaupten, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes durch Raum und Zeit einfach nur einzigartig.

Die Sicht auf uns selbst, auf unsere «Psyche», erlaubt uns einen allumfassenden Blick über unser System, einen Einblick in das Wunder Mensch. Hier ist es jedoch nicht zu Ende, denn gerade diese Sicht erlaubt es uns, alles um uns herum besser zu erkennen. Unsere Beziehungen, unsere Verantwortung gegenüber der Natur, unseren Platz in der Gesellschaft. Wer und wie wir sein möchten liegt dann nur noch bei uns selbst…

Willkommen auf unserer neuen Website!

Willkommen auf unserer neuen Website!

Wir freuen uns riesig euch die neue Website von wertfrei zu präsentieren!

Nicht neu im Sinne von besser als alt. Neu im Sinne von bei uns hat sich einiges getan und es wurde höchste Zeit, dieses Einiges mit euch zu teilen. Dabei wollten wir so klar und transparent wie möglich sein.

Wo sollen wir anfangen? Wir waren in den letzten Monaten so sehr damit beschäftigt alles auf die Reihe zu kriegen, wie so viele von uns, dass wir uns kaum trauten, hinaus zu gehen. Die Vorbereitungsphase ist jedoch an ihr Ende gekommen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das Wissen und die Erfahrungen, die wir im Pilotprojekt machen durften zu teilen. wertfrei lebt von der Zusammenarbeit, von einer Community, die sich gegenseitig unterstützt und mit Auge auf die Zukunft gemeinsam Neues entdeckt, ausprobiert und erlebt.

Wir laden euch alle demnach herzlich und voller Vorfreude ein, euch auf unserer Website umzuschauen, euch zu vernetzen und viele Fragen zu stellen. Hier findet ihr alles, was wertfrei ist und ausmacht. Unser Blick auf die heutige Welt, geleitet von dem Wunsch das Potential jedes Einzelnen zu erkennen und dessen Autonomie zu fördern.

Herzlichen Dank an alle, die an die Vision von wertfrei glauben und diese mit ihren Mitteln, ihren Kompetenzen und Interessen unterstützen. Ein grosser Dank geht an die Mitwirkenden, die sich auf die wertfrei Reise eingelassen haben, noch lange bevor die Richtung klar und verständlich war. Es hat Mut, viel Flexibilität und Durchhaltewillen gefordert und wir sind stolz, wie sich wertfrei sowie jede*r Einzelne von uns mit ihr/ihm entwickeln konnte.

wertfrei ist ein Geschenk, das wir nur GEMEINSAM in die Welt tragen können.

Herzlich,

das wertfrei-Team